61 Stand 16 1704.  Klein-4to.  Mit  46  münz-  bis  doppelblattgroßen Tafeln, davon 38 in Kupferstich und 8 in Holzschnitt, sowie 19 Textholzschnitten. Pergamentbände d. Zt. mit goldgeprägten  Rückentiteln  auf  gelblich  eingefärbtem Grund. € 3.800,- Die ersten und originellsten Jahrgänge der seltenen Zeitschrift. Der Initiator gilt als Begründer der lübeckischen Geschichtsschreibung und besaß seinerzeit bekannte Sammlungen (cf. Murray, Museums I, p. 219). Ab 1700 scheint er die Redaktion zunehmend an A. D. Leo- pold & C. H. Starck abgegeben zu haben. Der Druck wird sparsamer, bis Sommer 1708 sind nur noch 2 weitere Kupfertafeln erschienen. Die „Nova Literaria“ umkreisen Monat für Monat die Ostsee nach gelehrten  Publikationen  &  Personalien,  Forschungen  &  Funden, Monstrositäten & Himmelserscheinungen, Musik- & Theaterauf- führungen. Die Berichterstattung ist ausführlich, durch mehrfache Indizes erschlossen und bio-bibliographisch äußerst ergiebig. Der mo- natliche Kreislauf beginnt in den Städten Mecklenburgs & Pommerns, erreicht Königsberg, Riga & Narva, wendet sich nach Schweden und gelegentlich in den hohen Norden, durchläuft die dänischen & hol- steinischen Lehrstätten und schließt mit Hamburg & Lübeck. Einen Schwerpunkt bildet die Altertumskunde des europäischen Nordens. Bereits November 1698 erscheinen mit der „Notitia Musei Cimbrici Ioh. Daniels Majoris“ ein Sammlungsinventar des Kieler Museums- theoretikers und eine der wertvollen Personalbibliographien der „Nova Literaria“. März, Juli & September 1699 berichtet Melle selbst über Funde in Hügelgräbern bei Barmstedt, illustriert mit 1 Kupfer und 2  Falttafeln  in  Holzschnitt.  Das  Februarheft  1701  publiziert  ein Trinkhorn „ex Museo Jacobi a Mellen“. Leibniz begründet II, 245- 48 seine Theorie der germanischen Wanderung vom Kontinent nach Skandinavien. Die unscheinbare Einsendung ist „G.G.L. ad Dnn. Collectores Novorum Literariorum Maris Balthici“ überschrieben. Leibniz widerlegt die umgekehrte Vorstellung des Numismatikers Otto Sperling, als „De Origine Veterum Gallorum Epistola“ im Juni 1699 abgedruckt. Sperling antwortete Leibniz im August, der weitere Briefwechsel erfolgte privatim. Melle war zu sehr Polyhistor, um die „Literaria“ auf sein Hauptinteresse einzuschränken. Anfang 1700 be- richtet er von einer „Solenni Musica“ Dietrich Buxtehudes in Lübeck; 1703 von der Hamburger „Taffel-Musik“ und anderen Werken des vielgereisten  Augsburger  Komponisten  Johann  Fischer.  Seit  1690 bestand die Hamburger „Kunst-Rechnungs-lieb- und übende So- cietät“, ihre Mitglieder finden sich zum zehnjährigen Bestehen mit Beinamen  und Werken  verzeichnet.  Der Wismarer  Advokat  und Leibniz-Korrespondent Johann Gröning nutzt die „Nova Literaria“ gleich zu Beginn (I, 32) für eine Preisaufgabe über die Physik des „Sclopetum pneumaticum“, Guerickes Magdeburger Windbüchse. Da nach Jahresfrist keine Lösung erfolgt ist, rückt er sie selbst ein, nebst etlichen weiteren Zuschriften. Detlev Clüver, ein Leibniz-Gegner, veröffentlicht  im  Oktober  1698  einen  eigenen „Methodus  Infini- torum Similium“, mit Faltkupfer. Melles Korrespondent auf Fünen, der geistesverwandte Rektor M. H. Schacht, wird 1698 mit einem Verzeichnis seiner Schriften geehrt. Er dankt mit naturhistorischen Kuriosa und einem 36 Kurzbiographien umfassenden „Specimen de Eruditis Mulieribus Daniae“ (III, 209-219). Schachts Todesnachricht November 1700 sucht einen Käufer für die hinterlassenen „Cimelia Naturae Artisque, nec non Antiquitatum Cimbricarum“. Gleichsam als Werbeschrift wird Schachts letzte Arbeit mitgeteilt: „De Anti- quitatibus e Tumulis veterum Fionensium“, mit schöner gefalteter Holzschnitt-Tafel und zahlreichen Runeninschriften. Unter Bezug auf Andreas Cleyers Bericht über indische Riesenschlangen in den „Miscellanea  Curiosa“  von  1684  präsentiert  J.  J.  Stolterfoth  1699 „Exuviae Serpentum Indiae Orientalis“ aus seiner „Physiotheca“, 1702 einen hübschen „Basiliscum ex Raja arte formatam“, aus Rochenhaut künstlich  gebildet.  Zur  Kollation: Vergleichsexemplare  zeigen  die typischen Unregelmäßigkeiten früher Zeitschriften. In vorliegender Reihe fehlen der Index 1703 (18 Bl.) und der Schluß von 1704 (S. 225- 385, 26 Bl.). Tafel 4 von Jahrgang 1702 ist offensichtlich ausgefallen, der Text weist auch den üblichen Randverweis nicht auf. - Kirchner, Bibliographie  der  Zeitschriften  des  deutschen  Sprachgebietes  no. 4368; Erman & Horn, Bibliographie der deutschen Universitäten I, no. 17. - Einbände etwas fleckig & verstaubt, streckenweise gebräunt. Schönes, wohlerhaltenes Exemplar. Schiller – „Haare v. Friedrich v. Schiller“. Blonder Haar- kranz,  durch  ein  Bändchen  zusammengehalten.  Seit 1913 unter Glas auf beschriftetes Papier gelegt (5 : 10 cm), Kantenverklebung mit Tuschrändchen. Dazu Brie- fe & Dokumente. € 3.000,- Vom echten Schädel - privater Überlieferung zufolge. Die Reliquie ist 1913 nach 2 Generationen in  Familienbesitz wieder ans Licht gekommen.  Am  22.  III.  schreibt  Elise  von  Alberti  an  einen Ver- wandten oder engen Freund “Edy”: “Beim Auslesen von Schriften meiner  s(eligen)  Eltern  fand  ich  auch  ein  kleines  Kuvert  mit  der Aufschrift: ‘Haare von Friedrich von Schiller von seinem Sohn er- halten’. Mein Vater hatte das geschrieben ... Ich denke es wäre für Dein Museum doch ein interessantes Stück ... Du wirst es am Ende unter Glas u.  Rahmen machen lassen, damit Du die paar Häärchen nicht verlierst”. Der Besitzer des “Museums” hat den Kranz tatsäch- lich unter Glas gefaßt, wenn auch in der Form eines Präparates. Er scheint zunächst um genauere Beglaubigung gebeten zu haben. Frau von Alberti schreibt am 10.IV.1913 nochmals: “Gleich nach Emp- fang Deines l(ieben) Briefes bin ich zu meinem Bruder gegangen, um von ihm die Bestätigung der echten Schillerhaare für Dich zu verlangen. In dem alten Papierle waren sie direkt eingewickelt, was ich Dir beilege ... Die Haare hat mein Vater jedenfalls in Gmünd erhalten,  wo  alljährlich  mein Vater  mit  der  Artillerie  im  Sommer zu den Schußübungen kommandiert war. - In Gmünd war Schillers Sohn Oberförster u. kam viel in Gesellschaft der Offiziere - u. be- freundete sich dort mit meinem Vater”. Das beschriftete und vielfach gefaltete “alte Papierle” ist erhalten, Elises Vater vielleicht mit Ludwig Eberhardt von Alberti zu identifizieren, geboren 1797 in Stuttgart und ab 1813 als Offizier nachweisbar. Er war mit Schillers älterem Sohn Karl Friedrich Ludwig (1793-1857) generationsgleich, dieser seit 1817 im württembergischen Forstdienst. Sein Sohn Friedrich (des Dichters Enkel) ehelichte übrigens eine Nichte des Beschenkten, Mathilde von Alberti, “mit welcher der Name v. Schiller leider aus- gestorben ist, da ihr einziges Söhnchen früh starb” - wie Elise sich erinnert. Ihr Bruder schließlich, General der Infanterie (Eduard) von Alberti (1838-1914), bestätigt Elises Bericht auf seiner Visitenkarte eigenhändig mit Unterschrift. - Linkes unteres Eckchen des Glases abgesplittert. Das Haar-Präparat und die teils gefalteten Papiere heute in einer aufwendig gestalteten Stammbuch-Kassette des Biedermeier aus rotem Maroquin mit Vergoldung und Deckeleinlagen aufbewahrt.